
Rosa konnte sich gar nicht entsinnen, wie es dazu gekommen war. Seinerzeit, als sie geboren wurde, war die ganze Welt noch bunt und farbenprächtig. Das war 1980. Jetzt, siebzig Jahre später, gab es nur Grau in Grau, allenfalls Schwarz und Weiß.
Sie erinnerte sich gerne an die Geburt ihrer ältesten Tochter im Frühling nach der Jahrtausendwende. Danach hatte sie nie mehr so einen strahlenden Frühling erlebt.
Irgendwann begannen die Farben zu verblassen, fast unmerklich zu Beginn. Wie ein Pullover, der vom häufigen Waschen verbleicht, verlor auch die Umgebung ihre Farbenpracht. Erst Jahre später bemerkte Rosa, dass irgendetwas nicht stimmte, aber da sie es nicht in Worte fassen konnte, achtete sie nicht weiter darauf.
Rosa hatte drei Enkelkinder. Wenn sie auf Besuch kamen, erzählte sie ihnen oft von der Welt, die sie von früher kannte. Aber wie auch sie sich einst die Geschichten ihrer Großmutter von den Kriegen gespannt angehört hatte, so waren es doch nur Geschichten, mit denen die Jungen nichts anzufangen wussten.
Nur Maxima, Rosa fragte sich oft, wie man ein Mädchen nur Maxima nennen konnte, aber die Zeiten, in denen man ein Kind Kathi oder Susi getauft hatte, waren wohl auch endgültig vorbei, also Maxima lauschte ihren Geschichten andächtiger als die anderen.
Sie schien als einzige darüber nachzudenken, warum Rosa sagte, der Himmel sei blau und die Wiese grün, wo doch beides die gleiche stumpfe graue Farbe hatte.
Vince und Gaaden, auch so eigen klingende moderne Namen, mochten denken, es sei die Marotte einer alten Frau, die viel wirres Zeug redete. Maxima dagegen, spürte tief in ihrem