
Eine Woche später, pünktlich auf die Stunde, pochte es an der Tür. Die Kollerliesl hatte ihr bestes Kleid angezogen, wie eine Braut, die auf ihren Freier wartet. Knarrend ging die Tür auf und der Fremde betrat die Stube. Obwohl es ein warmer Sommertag war, wurde es im Raum plötzlich kalt, wie in einem Grab. Der Fremde trat auf die Kollerliesl zu. Sie hatte weiche Knie und wäre wohl vor Angst und Grauen davongelaufen, aber sie konnte sich nicht mehr von der Stelle rühren. Der Fremde sprach zu ihr: „ Ich nehm dich mit, wenn du möchtest. Du wirst meine Braut. Willst du mir folgen?“ Die Kollerliesl hatte nicht die Willenskraft, sich zu rühren und zu wehren. Sie konnte gerade nur mit dem Kopf nicken. Da nahm der Fremde, der niemand anderer als der Teufel war, sie in die Arme und küsste sie auf
den Mund. Dort, wo er ihre Lippen berührt hatte, brannte es wie Feuer. Der Belzebub verschwand so plötzlich, wie er gekommen war. Nur der Geruch von Schwefel hing in der Luft.
Nach dem satanischen Kuss wurde die Kollerliesl krank. Eine ganze Woche lag sie mit hohem Fieber im Bett und konnte nicht aufstehen.
Genau zwei Wochen, nachdem der Teufel das erste Mal bei ihr erschienen war, ging es der Kollerliesl endlich wieder besser. Sie war von einer seltsamen Unruhe erfüllt.
Genau auf die Stunde, als der Teufel sie auf den Mund geküsst hatte, brach auf einmal ein Gewitter los. Es donnerte und blitzte. Plötzlich krachte es ohrenbetäubend und ein greller Blitz fuhr vom Himmel herab. Er schlug in die Hütte ein, und sie fing Feuer.
Dort, wo die Kollerliesl gestanden war, klaffte ein tiefes Loch. Der Regen stürzte in Bächen