
Einst saßen drei Freunde beim Kartenspielen in einer Schenke. Je später der Abend wurde, desto mehr sprachen sie dem Wein zu – und umso
redseliger wurde die kleine Gesellschaft.
So kamen sie auch auf den Tod zu sprechen. Sie gerieten in Streit darüber, wie der wohl aussehe.
„Der Tod ist sicherlich ein alter klappriger Mann“, sagte einer.
„Nein, er ist stark und mächtig. Bestimmt hat er Kräfte wie ein Riese“, meinte der zweite von ihnen.
Der dritte im Bunde, ein Musikus, sprach: „Der Tod ist nichts anderes, als ein kleines Kind, das in seinem Zorn unbedacht um sich
schlägt. Er kennt keinen Unterschied zwischen alt und jung oder gesund und krank. Jeden, der ihm in die Quere kommt, holt er sich, ohne lange zu
überlegen, ob richtig oder falsch.“
Sie redeten und diskutierten, doch keiner konnte die anderen von seiner Meinung überzeugen.
Da kam einem von ihnen der Einfall, den Sensenmann herbeizurufen. Dann würden sie ja sehen, in welcher Gestalt er erscheinen würde.
Tatsächlich tauchte sogleich der Tod als Schatten neben den drei Freunden auf.
„Hier bin ich, was wollt ihr von mir?“, und die Stimme klang für den ersten wie die eines alten Mannes. Der zweite vernahm sie donnernd und mächtig, der dritte aber hörte ein kleines Kind.
„Komm näher, auf dass wir dich betrachten können. Wir wollen wissen, wie du aussiehst, damit wir unseren Disput beilegen können.“
„Ich warne euch. Jeder, der mein Antlitz je erblickt hat, gehört mir.“
Doch die nun schon reichlich angetrunkenen Kumpane ließen sich nicht einschüchtern. „Komm nur, wir haben keine Angst“, meinte