
Dort, im Wald, wo die Bäume am engsten beieinander stehen, wo es die Sonne nicht einmal, wenn sie am höchsten steht, durchs Dickicht schafft, da wohnen die Waldgeister. Kein Mensch hat sie je gesehen, aber es ranken sich unzählige Geschichten um sie, die die Alten abends beim Feuerschein erzählen:
Einst lebte in einer Hütte nahe am Waldesrand ein armer Köhler. Seine Frau hatte er im Kindbett verloren und so musste er sich neben der Arbeit auch noch um seine Zwillingssöhne Josef und Johann kümmern. Die beiden Buben waren recht aufgeweckt und ließen sich Tag für Tag neuen Schabernack einfallen.
Der Köhler verbot ihnen, in den Wald zu gehen.
„Es gibt dort wilde Tiere, giftige Kräuter, Pilze und Beeren und nicht zu vergessen,
die Waldgeister. Wen sie einmal gefangen haben, der muss für sie unter der Erde arbeiten und bekommt nie wieder Tageslicht zu sehen.“
Die Zwillinge wurden durch die Rede des Vaters erst recht neugierig. Am nächsten Tag, als sie in der Nähe der Hütte spielten, sagte einer zum anderen: „Ich würde mir nur zu gern die Waldgeister aus der Nähe ansehen!“
„Der Vater hat´s verboten!“, wandte Josef ein.
„Er hat uns auch den Wald verboten, und doch spielen wir jeden Tag heimlich darin! Vielleicht haben sie unter der Erde Gold und Edelstein versteckt. Niemand hat sie je gesehen, wahrscheinlich gibt es sie gar nicht!“ Johann nahm den Bruder am Arm und zog ihn Richtung Wald. Er flüsterte verschwörerisch: „Stell dir vor, wir würden den Schatz der Waldgeister finden. Nie mehr müssten wir Hunger leiden, wir hätten neue Kleider und Vater müsste sich nicht mehr den Rücken krumm arbeiten.“