
Fast geräuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er hatte sich eine Zigarette angezündet und starrte dem Zug nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden. Verdammt, er war zu spät gekommen. Hätte er die Möglichkeit gehabt, ihn aufzuhalten, dann hätte er es getan. So aber musste er tatenlos zusehen, wie der Zug schließlich ganz verschwand. Achtlos schnippte er die halbfertig gerauchte Zigarette auf die Gleise, schlug seinen Kragen hoch, vergrub beide Hände – zu Fäusten geballt - tief in den Manteltaschen und verließ den Bahnhof ohne Eile. Jetzt war es ohnehin egal. Katrin würde bis Paris durchfahren. Ohne Zweifel hatte sie auf ihn gewartet. Wenn sie erkannte, dass er es nicht rechtzeitig geschafft hatte,
würde sie umdisponieren. Katrin und er hatten für solche Situationen einen Notfallplan erstellt. An den würde sie sich jetzt halten. Er würde alles daran setzen, dass sie sich in Paris zu dem vereinbarten Termin an der vereinbarten Stelle trafen. Er fuhr mit einem Taxi zum Hotel zurück und verschwendete keinen Gedanken mehr an den gestohlenen Wagen, der noch am Bahnhof stand. Es würde keine Spuren geben, die zu ihm führten.
Katrin saß in ihrem Abteil und knetete an einem Taschentuch, einmal ertappte sie sich selber beim Nägelkauen. Das zweite Bett war für Erwin reserviert. Wie es aussah, würde es unbenutzt bleiben. Sie rief sich ins Gedächtnis, wie sie nun weiter vorgehen sollte. Sie waren es wohl tausend mal durchgegangen, nicht ohne ihren Widerwillen. Nur der eisernen Disziplin Erwins war es zu verdanken, dass sie jetzt zwar nervös, aber nicht kopflos reagierte.