mit freundlicher Genehmigung des Piper Verlages

Prolog

Luisa starrte gebannt auf die Spinne an der Zimmerdecke. Früher hatte sie sich vor diesen Tieren geekelt. Doch diese war ihr eine willkommene Gesellschafterin, eine stumme Freundin, die einzige Gefährtin in diesem fensterlosen Raum.
Luisa hatte jegliches Zeitgefühl verloren.
Wie lange brauchte eine Spinne, um ihr Netz zu weben?
Beharrlich saß die Spinne da und wartete auf Beute.
Voller Zuversicht hockte sie in ihrem Netz.

Der Augenschneider (Leseprobe)
Spannung
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Luisa hatte sich geschworen, ebenso lange durchzuhalten, wie das Tier.
Er musste ihr irgendetwas verabreicht haben. Sie hatte sich anfangs kaum bewegen können. Alles, was nach der Modenschau passiert war, lag am Rande ihres Bewusstseins. Zu weit entfernt, um es zu fassen.
Sie betrachtete ihre wunden Knöchel. Sie hatte sich die Fäuste an der Stahltür blutig geschlagen, geschrien, bis sie heiser war, und geweint, bis ihre Augen so geschwollen waren, dass sie kaum noch etwas sehen konnte.
Luisa blickte erneut zu der Spinne hinauf. Sie konnte nicht untätig herumsitzen und warten. Sie musste etwas tun. Vielleicht hatte er etwas übersehen, eine Ritze, einen Spalt, irgendetwas, das sie für sich nutzen konnte, und sei es nur, um in Bewegung zu bleiben, um sich zu beweisen, dass sie noch lebte, atmete, dachte.
Ihre Augen wanderten über die kahlen

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