
Wände zu dem schmalen Bett. Sie hob die Matratze an. Das war gar nicht einfach. Sie wog viel schwerer, als die in ihrer Wohnung. Außerdem war sie alt, fleckig und so durchgelegen, dass sie nicht stehen blieb, als Luisa sie an die Wand lehnte. Nach zwei Versuchen ließ sie das verdammte Ding einfach auf dem Boden liegen.
Ihre Hilflosigkeit brachte sie erneut zum Weinen. Sie setzte sich auf das Bettgestell, die Arme fest um ihre Knie geschlungen und wippte leise summend vor und zurück.
Als ihr Schluchzen verebbt war, straffte sie die Schultern und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen und den Rotz aus dem Gesicht. Entschlossen bückte sie sich, um die schwere Matratze wieder auf den Bettrahmen
zu hieven. Da fiel ihr auf, dass an einer Ecke die Naht aufgegangen war. Sie schob Zeige- und Mittelfinger in das Loch. Die Füllung war aus Rosshaar. Das erklärte auch das immense Gewicht. Wurden solche Matratzen heutzutage überhaupt noch hergestellt?
Auf einmal ertasteten ihre Finger etwas Metallisches. Sie klemmte das Ding zwischen ihre Finger und zog vorsichtig daran. Diese Aufgabe verlangte all ihr Feingefühl. Das Rosshaar schien sich um den Gegenstand gewickelt zu haben, wollte ihn nicht ohne Weiteres freigeben.
Endlich hielt sie ihn in der Hand. Es war ein goldenes Kettchen mit einem kleinen runden Schutzengelanhänger.
Ihre Hände zitterten, als Luisa ihren Fund genauer betrachtete. Das Beben erfasste ihren ganzen Leib und sie ließ sich kraftlos die Wand hinabgleiten.